Archiv für April 2012

…auch diesen Monat eine herzliche Einladung zum Törtchencafé am Sonntag, 29.04., 14 Uhr – 17 Uhr!

Die Idee ist, kreativ zu werden um Sarrazin am 9. Mai angemessen zu begrüßen.
Leckere Sachen für den Bauch gibt’s selbstverständlich auch ;)
bis dahin eine schöne Zeit wünscht
die Törtchencrew

Filmabend am Freitag

Vortrag: Eine innere Angelegenheit am 26.4.

Eine innere Angelegenheit – Über den Staat als unreflektierte Voraussetzung aktueller Krisenlösungsphantasien
Vortrag mit JustIn Monday

Als den Bürgern in der Krise im Herbst 2008 das Bewußtsein vom historischen Charakter ihres Ein und Alles – des Kapitalverhältnisses – drohte, erschien ihnen, insbesondere den deutschen, die Ewigkeit des nationalen Staates als Rettung. Noch heute, viele deutliche Botschaften des nach wie vor auf Entwertung drängenden Werts später, sind sie sich dieser Ewigkeit so gewiß, wie sie sonst glauben, ihr Nierenleiden vom Uropa mütterlicherseits geerbt zu haben. Unterschiede zwischen Keynesianern, die die Krise vermittels deficit spending beheben wollen, und denjenigen, denen die Produktion von Gebrauchswerten ganz unvermittelt nur Mittel zum Zweck der Kapitalakkumulation ist, sind schon länger kaum noch auszumachen. Auch fällt es allen Protagonisten zunehmend schwerer, sich ihre Interessenlagen zusammenzureimen. Jeder Konkurrent, auf den die eigene Pleite abgewälzt werden könnten, entpuppt sich als Teil der Substanz des eigenen Kapitals, die es „zu retten“ gilt. Bei allen nterschieden in den Resultaten der Interessenfindung bestehen aber unübersehbare Gemeinsamkeiten in den Voraussetzungen des handlungsleitenden Krisenbewußtsein, d.h. in den fetischistischen Vorstellungen vom Charakter des gesellschaftlichen Ganzen. Vor Augen steht den Repräsentanten des herrschenden Elends dabei vor allem dessen Kontrollier- und Steuerbarkeit durch den Staat, der als dem Kapitalverhältnis äußere Macht halluziniert wird. Handele dieser nur richtig, sei er in der Lage, die Krise zu meistern. Während jede einzelne Maßnahme inzwischen strittig ist, herrscht hierüber Einigkeit, oder besser: Pfeifen im Walde. Offenkundig ist, dass die darauf aufbauenden Versuche, Wirtschaftspolitik zu betreiben, nur immer wieder neu vor Augen führen, daß die vorausgegangenen Maßnahmen nichts gelöst, sondern den Entwertungsdruck nur in die Zukunft verschoben haben. Das freilich ficht diejenigen nicht an, denen die vergangene Rolle des Staates zur Omnipotenzphantasie geronnen ist. Ihnen erscheint jede weitere drohende
Staatspleite und jeder weitere Börsenkrach als zusätzliches ausgemachtes Fehlverhalten, das die Aufgabe des Staates nur umso größer, und die Gepflogenheiten des deutschen Souveräns nur um so geeigneter macht. – Dagegen soll erörtert werden, inwieweit die auf den autoritären Staat und in Deutschland auf den Nationalsozialismus zurückgehende Einheit von Staat und Gesellschaft weniger eine Entwicklungsmöglichkeit der aktuellen Zustände ist, sondern deren Voraussetzung, die, als Motor vergangener Krisenlösung, inzwischen ihrerseits in der Krise ist.

JustIn Monday (Hamburg), veröffentlicht u.a. in „Phase 2“ und „Exit! Krise und Kritik der Warengesellschaft“ sowie auf beatpunk.org.
Der Vortrag findet am Donnerstag, dem 26.4. um 20 Uhr im veto statt.

Workshop: Vernehmungsmethodentraining am 22.4.

Viel diskutiert ist sie, die Aussagenverweigungskampagne der Roten Hilfe. In einem Workshop über Vernehmungssituationen bei der Polizei wollen wir diskutieren und ausprobieren, wie solche Situationen aussehen können und welche Verhaltensweisen zu welchen Konsequenzen führen können. Drum rum gibts noch allerlei Infos und Empfehlungen dazu, wie Ihr Euch als politische Aktivist_innen im Fall der Fälle verhalten solltet.
Die Veranstaltung wird von der Roten Hilfe Erfurt organisiert und findet am 22.4. um 14 Uhr im veto statt.

Gegen den Nationalismus der Mitte am 17.4.

Nicht nur die Standortbegeisterung eines Thilo Sarrazin macht deutlich, dass Nationalismus in Deutschland kein Privileg Baseballschläger schwingender Nazi-Skins ist. Gerade mit den Fußball-Ereignissen der letzten Jahre hat sich durchgesetzt, daß die Mitte sich ganz selbstverständlich positiv auf ihren Staat bezieht.
Aber für was steht der schwarz-rot-goldene Lappen eigentlich? Für Hermann den Cherusker, Bonifatius und Friedrich den Großen? Lothar Matthäus, Jügen Klinsmann und Franz Beckenbauer? Sauerbraten, Thüringer Bratwurst und Labskaus? Ausgehend von zwei Arbeitsdefinitionen des Nationalismusbegriffes wollen wir in Frage stellen, ob der Kern nationaler Identität wirklich gemeinsame Sprache, Geschichte, Kultur und Territorium ist. Vielmehr sind wir der Ansicht, daß die die meisten dieser Merkmale Mythen sind, die im Nachhinein konstruiert wurden, um die Nation mit einem überzeugenden Fundament zu versehen. Darüber hinaus behaupten wir, daß die nationalen Mythen in Vergessenheit geraten, wenn sie nicht ständig aktualisiert werden. Warum werden diese Mythen gepflegt? Gerade in Krisenzeiten ist es nötig, Gemeinsamkeiten in einem ständigen Aufwand immer wieder herzustellen, damit der gesellschaftliche Zusammenhang nicht seinen eigenen Zerfallstendenzen zum Opfer fällt.
Wir wollen in der Veranstaltung darstellen, wie besagte Mythen im Kontext der historischen Entwicklung des Nationalstaats entstanden sind und wie sie heute aufrecht erhalten werden. Darüber hinaus geht es um die TrägerInnen nationaler Ideologie, speziell darum, welche Diskurse seit 1990 einen Nationalismus der Mitte befördern.
Die Analyse nationaler Mythen und Diskurse erlaubt es, NationalistInnen als das zu kritisieren, was sie sind: „ideologische Banditen“ (Elie Kedourie), die in das Wohl einer imaginierten Gemeinschaft über das Wohl des Einzelnen stellen, was weder den Eingeschlossenen noch den Ausgeschlossenen ein gutes Leben ermöglicht.
Die Veranstaltung findet am 17.4. um 19:00 Uhr im veto statt. Mehr Informationen unter: sarrazinabsagen.wordpress.com

Filmabend: Action in Asia am 24.4.

Die Filmemacherin des Projektes „Action in Asia“, Sigrid Oberer, und der japanische Photojournalist Tsukasa Yajima zeigen 3 kurze Dokumentarfilme zu den Themen Obdachlosigkeit, gewerkschaftliche Organisierung in prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen und die Geschichte der japanischen Anti-Atom-Bewegungen.

Die drei Dokumentationen porträtieren verschiedene Soziale Bewegungen in Japan und zeigen deren gemeinsame Schnittstellen auf, die im Widerstand gegen die japanische Arbeits- und Lebensverhältnisse liegen. Der erste Film zeigt Alltag und Selbstorganisierung der Nojukusha, den obdachlosen Arbeitern in Japans Metropolen. Um Arbeitskämpfe mit Witz und Empowerment geht es im zweiten Film über die Gewerkschaft „Freeter Union“. Der dritte Film rollt die inzwischen 60-jährige Geschichte der Anti-Atom Bewegung in Japan auf und zeigt wie dort gegen die sog. „friedliche“, aber auch gegen die militärische Nutzung der Atomkraft protestiert wird. Beispiele zeigen SurferInnen gegen Atomkraft, die schlagfertigen FischerInnen der Insel Iwaishima, das geplanten Endlager in Rokkasho sowie Bilder nach der jüngsten atomaren Katastrophe in Fukushima.

Nach den Filmen stehen die FilmemacherInnen für weitergehende Fragen und zur Diskussion bereit.
Die Veranstaltung findet am 24.4.2012 ab 20 Uhr im veto statt.

Spenden

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Queerer Abend am 30.4.

Vortrag und Diskussion: Konstruktion von Körper und Geschlecht

flyer Neuere Ansätze der Sozialwissenschaften weisen Körper als etwas aus, das sozial konstruiert ist. Damit wird die Idee von „normalen“ und „abweichenden“ Körpern in Frage gestellt und gleichzeitig ergibt sich eine neue Perspektive auf machtvolle Unterscheidungen wie bspw. männlich – weiblich, weiß – schwarz und behindert – nichtbehindert, die am Körper „festgemacht“ werden und häufig als Grundlage für soziale Ungleichheit dienen. Diese Grundidee der sozialen Konstruktion von Körpern soll dargestellt werden; zudem werden ausschnitthaft Diskurse vom „richtigen weiblichen Körper“ und „Körpergewicht“ in den Blick genommen und analysiert – und natürlich diskutiert.

Die Veranstaltung mit Klemens Ketelhut findet am Montag, dem 30.4.2012 ab 19 Uhr im veto statt und wird von der Gruppe wider die natur organisiert.